Lostboi Lino

Wenn man ehrlich ist, dann macht Lostboi Lino keinen Rap. Aber wenn man ehrlich ist, dann rappt er auch auf Beats. Aber eben nur auch. Auch singt er auf Kompositionen, die dem musikalischen Kosmos der 90er entstammen könnten und wohl mehr Seattle Grunge in sich tragen als New Yorker Boombap. Aber eben nur auch. Eklektisch hätte man das vor einigen Jahren wohl genannt. NuRap nennt Lostboi Lino diese Mischung heute. Eine gute Mischung. Lostboi Lino mag diese Mischung, bietet sie ihm doch die Freiheit freiheitlich zu arbeiten und gestalterisch zu gestalten. Aber eigentlich würde es ihm reichen, wenn man für Musik keine Schubladen bräuchte, sondern nur ein Herz.

Der Exorzismus der eigenen Seele treibt viele Künstler*innen an und so trägt auch Lostboi Lino eine Zerrissenheit und Schwere in sich, die es zu kanalisieren und damit zu verstehen gilt. Und dennoch - oder vielleicht genau deswegen - findet er immer wieder klare Worte und eine bedingungslose Ehrlichkeit. Für den Freitod seines Bruders. Für die Trennung seiner Eltern. Für den Moment, wenn Menschen gehen und nicht wiederkommen. Für die Augenblicke, wenn sie aufhören zu wirken. Für die Selbstfindung, die Rebellion, die Wut und den Versuch anzukommen. Wo auch immer das genau sein mag. Allgemein: für die eigenen Gefühle und die Welt, die sich durch sie ergibt. Und auch für die Hoffnung, die es in ihr geben muss.

Seine Haare sind Pink, weil ihm das gefällt, in vielerlei Augen weiblich assoziiert wird und gleichzeitig rebellisch rüberkommt. Lostboi Lino liebt Rebellen: Kurt Cobain, David Bowie, Falco, Udo Lindenberg, Lil Peep. Lostboi Lino liebt Assoziationen, den Aufbau von Erwartungen und das Spielen mit der vermeintlichen Enttäuschung. Er singt fröhliche Melancholie und rappt intelligenten Punk. Seine Stimme und seine Worte sind tragend, unschlagbar und genau. Genau richtig. “Lost Tape” bündelt diese Attitüde und versammelt Songs, die in den letzten Jahren entstanden sind, seit er zurück nach Stuttgart und zurück ins Musikmachen gekehrt ist. Dabei lässt er sein Unterbewusstsein die Arbeit übernehmen das Konzept zu entwickeln, welches kein Konzept sein will. Oder sein kann. Denn Gefühle sind nie ein Konzept. Gefühle sind immer ehrlich. Zumindest wenn man ehrlich zu seinen Gefühlen ist. Und das ist Lostboi Lino: verdammt ehrlich.

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